Neue Zusammenarbeit zwischen Planern und ausführenden Firmen

Neue Zusammenarbeit zwischen Planern und ausführenden Firmen

In der Diskussion über BIM taucht immer wieder die Forderung nach einer neuen Kultur der Zusammenarbeit zwischen Bauherren, Planern und Bauunternehmern auf. Diesen Wunsch teile ich und bin mir sicher, dass eine gute Kooperation in allen Baubranchen wichtig ist. Allerdings sollte man genau hinschauen, denn die Zusammenarbeit verschiedener Beteiligter unterscheidet sich spürbar zwischen Hochbau auf der einen sowie Straßen- und Tiefbau auf der anderen Seite.

Ziel muss ein offener Dialog sein

Im privatwirtschaftlichen Hochbau fördern Bauherren die gute Zusammenarbeit aller, weil sie damit Baumaßnahmen zu ihrem eigenen Vorteil steuern können. Anders bei öffentlichen Infrastrukturmaßnahmen. Dort gibt mit dem gängigen Verfahren von Ausschreibung und anschließender Vergabe an den Bieter mit dem wirtschaftlichsten – das heißt in der Regel billigsten – Angebot eine große Hürde bei der Umsetzung einer neuen Zusammenarbeit. Denn dieses Vergabeverfahren implementiert in konkreten Projekten eine Polarisierung der Interessen zwischen den Beteiligten. Alle versuchen einzeln und für sich, im Rahmen der vereinbarten Leistungen ihren eigenen Vorteil zu finden. Das ist selbstverständlich legitim, die Zusammenarbeit wird dadurch jedoch in keiner Weise gefördert. Allerdings: Losgelöst von einem konkreten Projekt ist ein Dialog von Bauherren, Planern und Bauunternehmern unbeschwert möglich und dieser Austausch kann das Verhältnis zwischen den Beteiligten maßgeblich verbessern.

Die aktuell größte Herausforderung für Baufirmen im Straßen- und Tiefbau ist es, von den Planenden passende und umfangreiche Informationen zu erhalten. Noch immer werden digital vorhandene Daten – in der Regel aus Unkenntnis der Anforderungen und der Arbeitsweise von Baubetrieben – in ungeeigneten Formaten und außerdem oft beraubt um wichtige 3D-Informatioen übergeben. Bei den Bauunternehmen ist der Aufwand für die Nacharbeit groß, zusätzlich muss von den Auftragnehmern das Haftungsrisiko übernommen werden.

Kurzfristige Umstellung der Planung nicht möglich

Mit dem Wissen über diese herausfordernde Situation hatte ich die Idee, in der Region Siegen einen Dialog zwischen Planern und Baufirmen zu initiieren. Einer der Kunden meines Softwarehauses isl-kocher, das Unternehmen Heinrich Weber Straßen- und Tiefbau GmbH & Co. KG aus Siegen, fand die Idee gut und hat Ende März diesen Jahres ein erstes Treffen organisiert. 11 Vertreter von Straßen- und Tiefbauunternehmen sowie planenden Ingenieur-Büros fanden sich zusammen, um sich im informellen Rahmen über den Stand der Umsetzung von BIM auszutauschen.

Einig waren sich die Baufachleute, dass eine kurzfristige Umstellung der Planung im wirklichen Sinn von BIM – somit eine Planung mit Volumenkörpern, die Informationen in sich tragen – derzeit nicht zu realisieren ist. Diese Aussage stützt sich auf zwei wichtige Tatsachen. Zum einen sind in den Ingenieur-Büros derzeit vor allem CAD-Systeme im Einsatz, die mit der 3-Tafel-Projektion aus Grundriss, Längsschnitt und Querprofil arbeiten und eine Volumenkörper-Bildung gar nicht zulassen. Auf der anderen Seite liegt zwar bei den ausführenden Bauunternehmen ein großes Optimierungspotential durch den Einsatz von 3D-Maschinensteuerungen. Allerdings brauchen diese Steuerungen digitale Geländemodelle (DGM) als Eingangsparameter und keine geschlossenen Volumenkörper.

Auch kleine Schritte helfen

Trotz dieser einschränkenden Tatsachen wäre es für Baufirmen von Vorteil, wenn die in den Planungsbüros vorhandenen 3D-Daten vor Baubeginn in digitaler Form und möglichst verlustfrei übergeben würden. Der aktuell typische Standard ist nicht ausreichend, denn einfache PDF-Dateien sind genauso ungenügend wie 2D-CAD-Pläne oder Punktlisten (CSV-Dateien mit Punktnummer X,Y,Z). Benötigt werden ein tatsächlich weiter verarbeitbares und damit nutzbares Urgelände als DGM sowie die Fahrbahnränder als 3D-Linien.

Bei dem Treffen der Baufachleute in Siegen wurden im Gegenzug auch die Vertreter der Ingenieur-Büros nach ihrer Meinung befragt. Die derzeit größte Sorge bei den Bauüberwachern ist, dass kleinere Baufirmen oft nicht in der Lage sind, Abrechnungen digital und damit als Datenart 11 nach REB VB 23.003 abzugeben. Hier besteht demnach ein weiteres Aufgabenfeld, die Zusammenarbeit der Beteiligten zu verbessern.

Als einer der ersten Schritte, die Zusammenarbeit zu fördern, habe ich einen einen Leitfaden (siehe Link unten) für die optimale Datenübergabe zwischen Planenden und Ausführenden erstellt. Zudem biete den am Bau Beteiligten an, die Datenübergabe bei einzelnen Pilotprojekten zu moderieren.

BIM-Umsetzung durch kooperative Zusammenarbeit

Nach dem Treffen Mitte März waren sich alle 11 Vertreter von Straßen- und Tiefbauunternehmen sowie planenden Ingenieur-Büros einig, dass eine kooperative Zusammenarbeit bei der Umsetzung von BIM zum Vorteil aller ist. Ich empfehle deshalb Baufachleuten in anderen Regionen, unsere Idee aufzugreifen und ähnliche Veranstaltungen zu organisieren.

Frank Kocher

Leitfaden Datenaustausch

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