{"id":929,"date":"2020-04-01T11:25:45","date_gmt":"2020-04-01T09:25:45","guid":{"rendered":"https:\/\/bim-tiefbau.de\/category\/startseite\/?p=929"},"modified":"2020-10-30T10:40:21","modified_gmt":"2020-10-30T09:40:21","slug":"prozessoptimierung-auf-der-basis-von-modellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bim-tiefbau.de\/category\/startseite\/prozessoptimierung-auf-der-basis-von-modellen\/","title":{"rendered":"Prozessoptimierung auf der Basis von Modellen"},"content":{"rendered":"<p>Die Handelnden in der Baubranche sind sich einig: Das Ziel der Anwendung von BIM ist es, Bauprozesse zu optimieren. Dem stimme ich zu. Denn auch ich bin der Meinung, dass die Nutzung von Modellen grunds\u00e4tzlich f\u00f6rderlich ist bei dem Streben nach sicheren und schnellen Prozessen. Aber eben nur grunds\u00e4tzlich. Denn es gibt auch Anwendungsf\u00e4lle, bei denen Modelle eher hinderlich sind. Das gilt vor allem dann, wenn sehr gro\u00dfe Datenmengen bew\u00e4ltigt werden m\u00fcssen oder sich Anwender \u00fcberfordert f\u00fchlen.<\/p>\n<p><strong>Frustration auf der Baustelle vermeiden<\/strong><\/p>\n<p>Dazu ein Beispiel. Mein Softwarehaus isl-kocher war involviert in ein Bauprojekt der Deutschen Bahn, bei dem es \u2013 sehr fr\u00fch und damit auch fortschrittlich \u2013 ausschlie\u00dflich ein 3D-Modell gab. Bei der Ausf\u00fchrung hatten die Poliere auf der Baustelle keine Pl\u00e4ne im 2D-Format mehr, sondern mussten sich mit einem komplexen 3D-Viewer abm\u00fchen, um so die notwendigen Ma\u00dfe abzugreifen. Gut vorstellbar, dass die Frustration bei den Ausf\u00fchrenden auf der Baustelle gro\u00df war.<\/p>\n<p>Klar ist: Eine solche Arbeitsweise kann nur dazu beitragen, die Akzeptanz von BIM zu torpedieren. Aus meiner Sicht ist es in einem solchen Fall viel sinnvoller, die tats\u00e4chlich notwendigen Daten digital in einer Form zu pr\u00e4sentieren, die den klassischen \u2013 und damit bekannten &#8211; Papierpl\u00e4nen entspricht.<\/p>\n<p><strong>Datenmengen in Grenzen halten<\/strong><\/p>\n<p>Aus meiner Sicht ist es keinesfalls r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt, sondern vielmehr der Sache dienlich, wenn in Teilprozessen bei der Bauausf\u00fchrung die Modelle \u201eabgespeckt\u201c werden. So wird gew\u00e4hrleistet, dass Anwender in einer aus Pl\u00e4nen gewohnten 2D-Umgebung arbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Vorteil dieser Arbeitsweise ist, dass Datenmengen in Grenzen gehalten werden. Dazu ein weiteres Beispiel aus meinem Arbeitsumfeld: Bei einem derzeit in Ausf\u00fchrung befindlichen Infrastrukturprojekt eines unserer Kunden besteht das 3D-Modell aus mehreren zehntausend Bauteilen. Derart riesige Datenmengen k\u00f6nnen jedoch von keinem handels\u00fcblichen Controller am Vermessungsger\u00e4t bew\u00e4ltigt werden. Solche mobilen Ger\u00e4te sind nun mal keine CAD-Workstations. Zudem ist es f\u00fcr die Vermessung direkt vor Ort nicht wichtig, zum Beispiel alle Schichten unter der sichtbaren Oberfl\u00e4che als 3D-Modell jederzeit im Zugriff zu haben.<\/p>\n<p><strong>Einfache Geometrien reichen oft aus<\/strong><\/p>\n<p>Aus den genannten Gr\u00fcnden ist es meiner Meinung nach nicht nur zul\u00e4ssig, sondern auch \u00fcberaus sinnvoll, die umfassenden 3D-Modelle tempor\u00e4r f\u00fcr notwendige Prozess-Schritte auf einfachere Geometrien in 2D mit H\u00f6henangaben zur\u00fcckzuf\u00fchren. Wichtig zu wissen: Bei intelligenter Verkn\u00fcpfung der verschiedenen Sichten auf das Modell entstehen keinerlei Nachteile. Denn ein 3D-Modell kann auch \u00fcber die Verschiebung von Eckpunkten in der 2D-Grafik ver\u00e4ndert werden. Allerdings ist bei einer solchen Arbeitsweise zu beachten, dass die vereinfacht pr\u00e4sentierten Geometrien eine Verbindung zum Modell haben und dieses ver\u00e4ndern bzw. erg\u00e4nzen &#8211; je nach Bedarf des Anwenders.<\/p>\n<p><strong>Cloud-Technologie als L\u00f6sungsvorschlag<\/strong><\/p>\n<p>Bestens geeignet f\u00fcr eine oben beschriebene Nachf\u00fchrung und Erg\u00e4nzung von Modellen ist aus meiner Sicht die Cloud-Technologie. Mein Softwarehaus isl-kocher hat sich aus diesem Grund f\u00fcr eine Kooperation mit dem Unternehmen vh software tools aus Oldenburg entschieden. Denn mit dem von der Firma angebotenen cloudbasierten Produkt \u20acasyGIS arbeiten Poliere auf der Baustelle mit vertrauten Ger\u00e4ten wie Smartphone oder Tablet und f\u00fchren so in Kombination mit ihren Vermessungsger\u00e4ten die notwendigen Arbeiten auf Grundlage einer 2D-Grafik mit H\u00f6heninformation aus. Durch die Cloud-Technologie sowie die stete Internetkonnektivit\u00e4t sind die Daten auf der Baustelle und im B\u00fcro jederzeit synchron. Gemessene Punkte, Fl\u00e4chen oder linienf\u00f6rmige Objekte &#8211; optional verkn\u00fcpft mit Fotos &#8211; kommen in Echtzeit beim Bauleiter bzw. Abrechner im B\u00fcro an. Der l\u00e4stige und fehleranf\u00e4llige Datenaustausch per USB-Stick oder E-Mail entf\u00e4llt. Einziger Nachteil bei dieser Arbeitsweise ist, dass auf der Baustelle eine mobile Internetverbindung zwingend ben\u00f6tigt wird.<\/p>\n<p>Sicherheitsbedenken gegen das Arbeiten mit der Cloud sind aus folgenden Gr\u00fcnden nicht angebracht: Jedes Bauunternehmen bekommt eine eigene Domain bzw. Internetadresse f\u00fcr die Daten. Der Name dieser Domain ist nur der Firma bekannt. Dar\u00fcber hinaus werden alle Daten verschl\u00fcsselt \u00fcbertragen und abgerufen. Der Zugriff auf die Daten erfolgt \u00fcber Benutzer, Kennwort und zus\u00e4tzlich eine ID (Identifikation), die nur dem Unternehmen bekannt sind. Zus\u00e4tzlich sollte bedacht werden, dass die in der Cloud stehenden Daten alleinstehend nicht wirklich wertvoll sind. Denn erst im Kontext mit dem Modell im B\u00fcro kann man weitergehende Schl\u00fcsse ableiten.<\/p>\n<p><strong>Vorteile der neuen Arbeitsweise<\/strong><\/p>\n<p>Die Arbeitsabl\u00e4ufe zwischen Baustelle und B\u00fcro werden in ausf\u00fchrenden Bauunternehmen Dank der neuen Vorgehensweise eine v\u00f6llig neue Dynamik entwickeln. Insbesondere durch die mit dem Modell verkn\u00fcpften Fotos, die in Echtzeit von der Baustelle zum B\u00fcro gesendet werden, k\u00f6nnen Entscheidungen viel schneller getroffen werden. Die Bauleiter im B\u00fcro sehen auf ihren Computern anhand von Fotos, wie sich die Situation vor Ort darstellt und k\u00f6nnen einzelne Arbeitsbereiche genau lokalisieren. Vom Schreibtisch aus k\u00f6nnen sie Entscheidungen treffen, wie etwa Material bestellen oder einen Anruf bei einem Versorgungsunternehmen als Leitungseigent\u00fcmer t\u00e4tigen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_931\" aria-describedby=\"caption-attachment-931\" style=\"width: 533px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-931 size-full\" src=\"https:\/\/bim-tiefbau.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/PhotoVerlinkt.png\" alt=\"Foto eines Kabelschadens georeferenziert im Modell angezeigt\" width=\"533\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/bim-tiefbau.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/PhotoVerlinkt.png 533w, https:\/\/bim-tiefbau.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/PhotoVerlinkt-300x148.png 300w\" sizes=\"(max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-931\" class=\"wp-caption-text\">Foto eines Kabelschadens georeferenziert im Modell angezeigt<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Dokumentation der tagesaktuell fertig gestellten Leistungen auf der Baustelle ist ein weiterer bedeutender Pluspunkt einer Cloud-Anbindung. Voraussetzung daf\u00fcr ist allerdings ein im B\u00fcro vorhandenes modellbasiertes System, welches den Baufortschritt an Modellen dynamisch darstellen kann. Hierbei bedeutet dynamisch, dass 3D-K\u00f6rper nicht nur vollst\u00e4ndig, sondern zudem mit Zeitbezug auch teilweise dargestellt werden.<\/p>\n<p><strong>Mein Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Noch immer gibt es Vorbehalte im Bauwesen gegen neue Techniken wie BIM und Cloud. Ich bin der festen \u00dcberzeugung, dass Akzeptanz bei den Entscheidern \u2013 aber auch den Mitarbeitern \u2013 nur erreicht wird, wenn deren Bedenken ber\u00fccksichtigt werden. Die schnelle Umsetzung der Digitalisierung k\u00f6nnen wir nur erreichen, wenn wir die M\u00f6glichkeiten optimal und intelligent verkn\u00fcpfen. Grunds\u00e4tzlich alles in die Cloud zu legen bzw. immer und \u00fcberall voll in 3D arbeiten zu wollen, erscheint mir in der jetzigen Situation kontraproduktiv.<\/p>\n<p><strong>Frank Kocher<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Handelnden in der Baubranche sind sich einig: Das Ziel der Anwendung von BIM ist es, Bauprozesse zu optimieren. Dem stimme ich zu. Denn auch ich bin der Meinung, dass die Nutzung von Modellen grunds\u00e4tzlich f\u00f6rderlich ist bei dem Streben nach sicheren und schnellen Prozessen. Aber eben nur grunds\u00e4tzlich. Denn es gibt auch Anwendungsf\u00e4lle, bei denen Modelle eher hinderlich sind. Das gilt vor allem dann, wenn sehr gro\u00dfe Datenmengen bew\u00e4ltigt werden m\u00fcssen oder sich Anwender \u00fcberfordert f\u00fchlen. 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