{"id":874,"date":"2019-09-24T19:46:32","date_gmt":"2019-09-24T17:46:32","guid":{"rendered":"https:\/\/bim-tiefbau.de\/category\/startseite\/?p=874"},"modified":"2019-12-17T08:44:40","modified_gmt":"2019-12-17T07:44:40","slug":"viel-gutes-im-positionspapier-des-haupverbandes-der-bauindustrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bim-tiefbau.de\/category\/startseite\/viel-gutes-im-positionspapier-des-haupverbandes-der-bauindustrie\/","title":{"rendered":"Viel Gutes im Positionspapier des Haupverbandes der Bauindustrie"},"content":{"rendered":"<p>Im Juni 2019 wurde von der Arbeitsgruppe Stra\u00dfenbau im Arbeitskreis digitalisiertes Bauen im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie ein Positionspapier herausgegeben, das den Titel tr\u00e4gt \u201eBIM im Stra\u00dfenbau\u201c. Mit diesem Positionspapier zum Thema BIM wird erstmalig eine offizielle Stellungnahme der Auftragnehmerseite zur weiteren Digitalisierung im Bauwesen abgegeben. Mich freut es, dass die Bauindustrie &#8211; wie zu erwarten war &#8211; die weitere Digitalisierung in der Branche begr\u00fc\u00dft. Berechtigterweise werden Forderungen gestellt, die auf eine bessere und effizientere \u00dcbergabe von Daten im Bauprozess zielen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus darf BIM nicht zum Selbstzweck werden. Das bedeutet, dass die Beteiligten eher auf einen gleitenden \u00dcbergang setzen sollten. Zun\u00e4chst m\u00fcssen bereits vorhandene digitale Formate genutzt und sukzessive durch modernere Datenformate ersetzt werden. In einer radikalen Umstellung auf ein BIM der \u201ereinen Lehre\u201c wird &#8211; in meinen Augen zu Recht &#8211; die Gefahr gesehen, den Bauprozess unn\u00f6tig zu bremsen und dringend notwendige Ma\u00dfnahmen zur Sanierung der Infrastruktur zu verz\u00f6gern.<\/p>\n<p><strong>Medienbruch bei der Planungs\u00fcbergabe vermeiden<\/strong><\/p>\n<p>Im Stra\u00dfen- und Tiefbau existieren seit vielen Jahrzehnten Formate wie ISYBAU f\u00fcr die Entw\u00e4sserung oder Kartenart 40 f\u00fcr die \u00dcbergabe von Achsen, ohne dass diese regelm\u00e4\u00dfig genutzt werden. Stattdessen erhalten Auftragnehmer h\u00e4ufig \u201edigitale Papiere\u201c in Form von PDF-Dateien und betreiben anschlie\u00dfend einen enorm hohen Aufwand, daraus wieder zur Bauausf\u00fchrung verwendbare Daten zu erzeugen. Au\u00dferdem werden seit Jahrzehnten CAD-Systeme f\u00fcr die Planung angeboten, die eine Planung in 2,5D oder 3D erm\u00f6glichen, obgleich die Ergebnisse noch keine Modelle im Sinn von BIM sind.<\/p>\n<p>Der Blick in die Bauwirtschaft zeigt: Gut organisierte Betriebe arbeiten seit vielen Jahren digital, vor allem in den Arbeitsbereichen Vermessung, Abrechnung und Bauausf\u00fchrung. Die GNSS- (landl\u00e4ufig GPS-) Maschinensteuerung erh\u00f6ht seit \u00fcber 20 Jahren die Produktivit\u00e4t in ausf\u00fchrenden Unternehmen.<\/p>\n<p>Der Medienbruch bei der \u00dcbergabe der Planung an den Ausf\u00fchrenden in Form des PDF-Formates ist eine v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssige und gesamtwirtschaftlich gesehen sch\u00e4dliche Vernichtung von Ressourcen. Diese H\u00fcrden zu \u00fcberwinden \u2013 und das betont das Positionspapier &#8211; ist die vordringliche Aufgabe f\u00fcr die Planenden und die Auftraggeber. Die Auftragnehmer m\u00fcssen daf\u00fcr nichts tun. Sie profitieren und nach den Gesetzen des Marktes sollte eine Effizienzsteigerung mittelfristig zu g\u00fcnstigeren Preisen bei den Bauleistungen f\u00fchren. Damit h\u00e4tten auch Auftraggeber ihren Nutzen bei dieser Entwicklung. Aus diesem Grundverst\u00e4ndnis heraus hei\u00dft es in dem Positionspapier zurecht: \u201eAlle vorhandenen digitalen Daten sind dem Bieter als Bestandteil der Ausschreibung zu \u00fcbergeben.\u201c<\/p>\n<p><strong>Standardisierung hilft beim Datenaustausch<\/strong><\/p>\n<p>Die weitere Forderung lautet, die Vertreter der Bauindustrie m\u00f6glichst fr\u00fch in die Planungsprozesse einzubinden. Dieser Wunsch ist meiner Meinung nach sehr berechtigt. Denn so kann das Knowhow der Auftragnehmer schon fr\u00fchzeitig f\u00fcr die sp\u00e4tere praktische Umsetzung genutzt werden. Freilich passt diese Bild nicht in die heute g\u00e4ngige Praxis der Ausschreibungsverfahren. Damit sollte diese Forderung als mittelfristig angesehen werden.<\/p>\n<p>In meinen Augen wichtig und m\u00f6glichst schnell umzusetzen ist jedoch die im Positionspapier geforderte bundeseinheitliche Standardisierung des Objekt- und Attributkataloges f\u00fcr einen reibungslosen Datenaustausch. Baufachleute, die in der Zeit des Jahrtausendwechsels das sprichw\u00f6rtliche Gezerre der Bundesl\u00e4nder um das damals neue Kataster-Datenmodell ALKIS beobachtet haben, wissen, dass diese Forderung sehr berechtigt ist. Ein weiteres negatives Beispiel betrifft den grunds\u00e4tzlich guten Ansatz von OKSTRA. Allerdings wurde die Erstellung digitaler Bestandspl\u00e4ne aufgrund von verschiedenen und pro Bundesland spezifischen Katalogen zum Horror f\u00fcr die Anwender. Eine Nutzung in der Praxis findet derzeit deshalb nur statt, wenn es sich nicht vermeiden l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Extrem wichtig finde ich die im Positionspapier genannte Forderung nach Anpassung der Regelwerke. Zum Beispiel das in der VOB verankerte Recht des Auftragnehmers auf \u00dcbergabe einer Achse in Form von Holzpfl\u00f6cken in der \u00d6rtlichkeit ist v\u00f6llig \u00fcberholt und muss durch das Recht auf \u00dcbergabe einer digitalen Achse ersetzt werden.<\/p>\n<p>Lediglich an zwei Stellen bin ich mit den Aussagen des Positionspapiers nicht ganz einverstanden:<\/p>\n<p><strong>Punkt 3 \/ A Durchg\u00e4ngige Nutzung strukturierter Daten<\/strong><\/p>\n<p>Mit Recht wird in diesem Abschnitt auf den Vorteil der durchg\u00e4ngigen Nutzung von Daten hingewiesen. Allerdings fehlt meines Erachtens die Klarstellung, dass die durchg\u00e4ngige Nutzung EINES Modells von der Planung bis zum Abriss in der Praxis nicht m\u00f6glich ist. Denn Planer k\u00f6nnen keine Kenntnis haben von den &#8211; je nach Auftragnehmer auch noch\u00a0 unterschiedlichen \u2013 Arbeitsweisen, um ein zu 100 Prozent ausf\u00fchrungsreifes Modell zu erstellen.<\/p>\n<p>Nach- und Umbauarbeiten am Modell werden immer notwendig sein, solange Planungs- und Vergabeprozesse sequentiell, das hei\u00dft nacheinander, ablaufen. Die im Positionspapier dargestellten Aussagen sind daher in meinen Augen zu optimistisch. Zuk\u00fcnftig handelt es sich im optimalen Fall aber nicht um einen Informationsverlust wie heute, sondern um einen Zugewinn an Informationen aufgrund der praktischen Erfahrung der Baufirmen.<\/p>\n<p>Wenn zuk\u00fcnftig Mengen und Informationen \u00fcber die zu bauenden Objekte direkt im Modell zu finden sind, wird der Arbeitsbereich Kalkulation am meisten profitieren. Nicht ganz so viele Vorteile wird der Prozessschritt Arbeitsvorbereitung generieren. Denn ein 3D-Volumenk\u00f6rper eines Planers kann nicht einfach in die Maschinensteuerung \u00fcberf\u00fchrt werden. Hierzu werden speziell aufbereitete Digitale Gel\u00e4nde-Modelle (DGM) ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Ich bin daher der \u00dcberzeugung, dass es k\u00fcnftig wichtig sein wird, neben BIM-konformen 3D-Modellen auch die heute bereits verf\u00fcgbaren Daten wie Achsen, Gradienten und \u00e4hnlichen zu \u00fcbergeben. Mit diesen Daten k\u00f6nnen sich Auftragnehmer leicht die jeweils ben\u00f6tigten Teilmodelle nach ihren Anforderungen selbst erstellen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Aspekt ist, dass im Stra\u00dfen- und Tiefbau das Bestands- und Abrechnungsmodell (as-built) fast immer von der Planung abweicht. Trotz des zunehmenden Einsatzes von Bodengutachten bleibt es \u201evor der Schippe dunkel\u201c. Weiterhin f\u00fchren ungenaue Unterlagen \u00fcber Leitungsbest\u00e4nde sicher noch lange zu \u00c4nderungen an Bauwerken vor Ort.<\/p>\n<p><strong>Punkt 4 \/ A\u00a0 Aktuell vorhandene Austauschformate bis zur Implementierung von IFC Road<\/strong><\/p>\n<p>Auch bei diesem Punkt des Positionspapiers muss ich einhaken. Es wird darauf hingewiesen,\u00a0 vorhandene Formate sofort zu nutzen. Mit dieser Aussage bin ich grunds\u00e4tzlich einverstanden. Warum die Autoren allerdings die absoluten Minimalstandards wie zum Beispiel die Kartenart 40 f\u00fcr Achsen vorschlagen, verstehe ich aus meiner Sicht des Entwicklers von Bausoftware nicht. Bei den genannten Standards handelt es sich nicht einmal um REB-Formate. Empfohlen werden Lochkartenformate der Firma IBM aus den Anf\u00e4ngen der Digitalisierung, die aufgrund der notwendigen Sparsamkeit (80 Zeichen pro Datensatz) nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df sind. So haben die numerischen Werte zu wenigen Nachkommastellen und Klothoiden (spezielle ebene Kurven) k\u00f6nnen nur mit Annahmen \u00fcber Randbedingungen korrekt interpretiert werden. Sicherlich sind diese Uralt-Formate besser als nichts, aber mir fehlt der Hinweis, dass LandXML oder OKSTRA die moderneren und besseren Alternative w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Diese Anmerkungen sollen jedoch nicht meine ausdr\u00fcckliche Freude dar\u00fcber mindern, dass die Bauindustrie nun eindeutig und konstruktiv zu BIM Stellung genommen hat.<\/p>\n<p><strong>Frank Kocher<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Juni 2019 wurde von der Arbeitsgruppe Stra\u00dfenbau im Arbeitskreis digitalisiertes Bauen im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie ein Positionspapier herausgegeben, das den Titel tr\u00e4gt \u201eBIM im Stra\u00dfenbau\u201c. Mit diesem Positionspapier zum Thema BIM wird erstmalig eine offizielle Stellungnahme der Auftragnehmerseite zur weiteren Digitalisierung im Bauwesen abgegeben. Mich freut es, dass die Bauindustrie &#8211; wie zu erwarten war &#8211; die weitere Digitalisierung in der Branche begr\u00fc\u00dft. 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