{"id":432,"date":"2019-03-05T16:43:53","date_gmt":"2019-03-05T15:43:53","guid":{"rendered":"https:\/\/bim-tiefbau.de\/?p=432"},"modified":"2019-05-16T11:05:21","modified_gmt":"2019-05-16T09:05:21","slug":"isybau_zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bim-tiefbau.de\/category\/startseite\/isybau_zukunft\/","title":{"rendered":"Hat ISYBAU noch eine Zukunft?"},"content":{"rendered":"<p>Seit Jahren muss ich schmunzeln, wenn Hochbauer behaupten, in Sachen BIM dem Tiefbau weit \u00fcberlegen zu sein.<br \/>\nBereits seit 1991 gibt es das ISYBAU \u2013 Format (<strong>I<\/strong>ntegriertes <strong>SY<\/strong>stem <strong>BAU<\/strong>wesen), mit dem sowohl die Geometrie als auch Sachinformationen f\u00fcr Objekte wie Sch\u00e4chte, Haltungen und Hausanschl\u00fcsse \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen. Seit nunmehr 28 Jahren steht also im Kanalbau eine Schnittstelle zur Verf\u00fcgung, die vom Ansatz her IFC im Hochbau entspricht. Das Format wird genutzt, wenn auch noch nicht in voller Breite. Oft sind den Beteiligten die M\u00f6glichkeiten gar nicht bekannt.<br \/>\nDa die allermeisten GIS und CAD Systeme, die eine Kanalfachschale besitzen, auch ISYBAU unterst\u00fctzen, ist folgender Kreislauf in der Bewirtschaftung von Kanalnetzen m\u00f6glich:<br \/>\n<img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-435\" src=\"https:\/\/bim-tiefbau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/ISYBAU_Kreislauf-300x256.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"256\" srcset=\"https:\/\/bim-tiefbau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/ISYBAU_Kreislauf-300x256.jpg 300w, https:\/\/bim-tiefbau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/ISYBAU_Kreislauf-317x270.jpg 317w, https:\/\/bim-tiefbau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/ISYBAU_Kreislauf.jpg 629w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><br \/>\nDamit ist ein wesentlicher Kerngedanke von BIM, die modellbasierte Bewirtschaftung eines Bauwerks von der ersten Idee bis zum Abriss, erf\u00fcllt.<br \/>\nZu dem oben dargestellten Kreislauf der Modelldaten kommt noch hinzu, dass auch Zustandsdaten (Sch\u00e4den) digital verwaltet und ausgetauscht werden k\u00f6nnen. Die Digitalisierung in der Bewirtschaftung von Kanalnetzen scheint also perfekt zu sein.<br \/>\nLeider hat das Verfahren aber auch ein generelles Problem: Anders als zum Beispiel IFC wird ISYBAU nicht von einem neutralen Verband, sondern von der Liegenschaftsverwaltung des Bundes definiert. Motivation ist, den Datenaustausch f\u00fcr eigene Zwecke zu optimieren, Dritte d\u00fcrfen allerdings das Format nutzen und die Dokumentation wird von der Oberfinanzdirektion Hannover ver\u00f6ffentlicht. Dies ist eine spezielle Situation, die nicht in jeder Hinsicht optimal ist:<\/p>\n<p>Wie bei allen mir bekannten Daten &#8211; Formaten gibt es immer auch Sonderf\u00e4lle, die die V\u00e4ter der Systeme nicht bedacht haben und zu Schwierigkeiten im Datenaustausch f\u00fchren.<br \/>\nBeispiel: Beginnt eine neu gebaute Rohrleitung nicht am Schacht, sondern mitten in einer nur teilweise zu erneuernden Haltung, so kann man ab ISYBAU XML 2006 diesen \u00dcbergang von alt auf neu mit dem Datenobjekt \u201aAnschlusspunkt\u2018 beschreiben.<br \/>\nManche Geoinformationssysteme unterst\u00fctzen zwar ISYBAU XML, aber nicht das sp\u00e4ter hinzu gekommene Objekt Anschlusspunkt, sondern erwarten einen fiktiven Schacht.<br \/>\nFiktive Sch\u00e4chte sind logische Knoten zwischen zwei Leitungsteilen, ohne dass es ein physikalisches Bauwerk gibt. Diese fiktiven Sch\u00e4chte waren im Grunde eine Notl\u00f6sung im urspr\u00fcnglichen Datenmodell von 1991: Eine Leitung musste immer von Schacht zu Schacht verlaufen. Gab es keinen Schacht, wie am Auslauf eines Regenwasserkanals in ein Gew\u00e4sser, musste ein fiktiver Schacht angeordnet werden. Geknickte Haltungen konnten auch nur mittels der fiktiven Sch\u00e4chte dargestellt werden: Jeder Bogen in der Leitung war als fiktiver Schacht abzubilden. Aus einer geknickten Haltung zwischen zwei realen Sch\u00e4chten entstanden in dem Fall mehrere Haltungen in der ISYBAU &#8211; Datei.<br \/>\nIn den sp\u00e4teren Datenmodellen (XML-Format ab 2006) konnte ein Rohr jedoch auch zwischen sog. Anschlusspunkten verlaufen, eine geknickte Haltung bleibt beim Export nach ISYBAU auch eine einzige Haltung. Die fiktiven Sch\u00e4chte in ISYBAU-Daten sind damit eigentlich \u00fcberfl\u00fcssig.<br \/>\nWenn der Erzeuger der Daten, in der Regel eine Baufirma oder Vermessungsb\u00fcro, bei der Ausgabe des Bestandsmodells (as built) nicht wei\u00df, dass das Zielsystem Anschlusspunkte nicht unterst\u00fctzt, kommt es zu Fehlern bei dem Import in das GIS des Auftraggebers und zu viel schwieriger Kommunikation. Der Anwender des GIS bekommt, manchmal auch schwer verst\u00e4ndliche, Fehlermeldungen und ist immer der Meinung, die Daten seien nicht in Ordnung, obwohl sein GIS einfach nur ein veraltetes Datenmodell unterst\u00fctzt.<br \/>\nDer \u201eschwarze Peter\u201c liegt dann leider immer bei der Baufirma, die die Bestandsdaten \u00fcbergeben muss. Zu Datenaustauschformaten mit einer solchen Komplexit\u00e4t wie ISYBAU geh\u00f6rt eigentlich auch immer eine Schiedsstelle zur Kl\u00e4rung von Sonderf\u00e4llen. Die Sonderf\u00e4lle m\u00fcssen dann auch in kommende Standards eingearbeitet werden, um die Probleme beim Datenaustausch k\u00fcnftig zu vermeiden.<br \/>\nNach Aussage des ITWH in Hannover, welches Anfragen zu ISYBAU beantwortet, ist eine solche Vorgehensweise von den zust\u00e4ndigen Stellen des Bundes jedoch nicht angedacht.<br \/>\nAlternativ ist ein Pr\u00fcfprogramm eines Anbieters von Kanalsoftware verf\u00fcgbar. Es ist manchmal n\u00fctzlich, um grobe Fehler in ISYBAU Dateien zu entdecken, als Schiedsrichter in Sonderf\u00e4llen leider nicht zu gebrauchen. In diesen Sonderf\u00e4llen denkt das Pr\u00fcfprogramm logischerweise wie die Software dieses Anbieters. Daten, die die Pr\u00fcfung dieses Tools fehlerfrei durchlaufen, k\u00f6nnen nach meinen Erfahrungen nicht fehlerfrei in jedes beliebige GIS importiert werden.<br \/>\nDiese Situation ist sehr schade, da die ISYBAU Schnittstelle sehr verbreitet und etabliert ist, jedoch in speziellen F\u00e4llen, wie oben ausgef\u00fchrt, leider nicht problemlos nutzbar ist. Anwender und Softwarehersteller brauchen also mittelfristig eine Alternative.<br \/>\nDie Organisation buildingSMART wird neben IFC bridge und roads sicherlich auch den Kanalbau ber\u00fccksichtigen.<br \/>\nDigitalisierung beutetet heute auch immer Internationalisierung. Rein deutsche Standards wie ISYBAU haben daher ohnehin wenig Zukunft.<\/p>\n<p>Es bleibt zu hoffen, dass das k\u00fcnftige IFC Format f\u00fcr den Kanal eine genau so hohe Verbreitung wie ISYBAU erlangt, aber besser gepflegt und perfektioniert wird. Gute und vor allem eindeutige Datenformate sind die wichtigste Grundlage f\u00fcr Open BIM und eine erfolgreiche Digitalisierung!<\/p>\n<p>Bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich ein neuer IFC Standard etabliert hat, ist ISYBAU jedoch weiterhin ein n\u00fctzliches Werkzeug!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Jahren muss ich schmunzeln, wenn Hochbauer behaupten, in Sachen BIM dem Tiefbau weit \u00fcberlegen zu sein. Bereits seit 1991 gibt es das ISYBAU \u2013 Format (Integriertes SYstem BAUwesen), mit dem sowohl die Geometrie als auch Sachinformationen f\u00fcr Objekte wie Sch\u00e4chte, Haltungen und Hausanschl\u00fcsse \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen. Seit nunmehr 28 Jahren steht also im Kanalbau eine Schnittstelle zur Verf\u00fcgung, die vom Ansatz her IFC im Hochbau entspricht. Das Format wird genutzt, wenn auch noch nicht in voller Breite. 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