{"id":358,"date":"2018-10-25T18:08:33","date_gmt":"2018-10-25T16:08:33","guid":{"rendered":"https:\/\/bim-tiefbau.de\/?p=358"},"modified":"2019-01-10T19:12:28","modified_gmt":"2019-01-10T18:12:28","slug":"digitalisierung-braucht-sinnvolle-schnittstellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bim-tiefbau.de\/category\/startseite\/digitalisierung-braucht-sinnvolle-schnittstellen\/","title":{"rendered":"Digitalisierung erfordert offenen Datenaustausch"},"content":{"rendered":"<p>Die Nutzung von BIM im Stra\u00dfen\u2013 und Tiefbau unterscheidet sich heute gegen\u00fcber der Anwendung von BIM im Hochbau dadurch, dass moderne Bauunternehmen Modelle aus zugelieferten 2D-Pl\u00e4nen entwickeln, um sie f\u00fcr ihre innerbetriebliche Kalkulation, Arbeitsvorbereitung und Abrechnung zu nutzen. Dass Planer bereits 3D-Modelle erstellen und an Auftragnehmer \u2013 sprich an Stra\u00dfen- und Tiefbauunternehmen &#8211; \u00fcbergeben, ist nur in wenigen BIM-Pilotprojekten angedacht. W\u00e4hrend das Bundesministerium f\u00fcr Verkehr und digitale Infrastruktur das modellbasierte Arbeiten erfreulicherweise forciert, wird es im kommunalen Bereich vermutlich noch viele Jahre dauern, bis Modelle von Planern an Ausf\u00fchrende \u00fcbergeben werden.<\/p>\n<p><strong>Modelle und digitale Prozessketten<\/strong><\/p>\n<p>Aufgrund dieser Situation spielt im Stra\u00dfen- und Tiefbau ein m\u00f6glicher Datenaustausch der Modelle bei weitem nicht die Rolle wie im Hochbau. Aus meiner Sicht ist es zwar wichtig, Schnittstellen wie IFC und OKSTRA f\u00fcr einen Austausch der Modelle fit zu machen, eine wesentliche Wertsch\u00f6pfung kann man aber bei der derzeitigen Situation nicht erwarten. Wo es keine Modelle gibt, kann auch nichts \u00fcbertragen werden. Deshalb ist es f\u00fcr moderne Bauunternehmen derzeit viel wichtiger, aus selbst erstellten Modellen heraus digitale Prozessketten anzusto\u00dfen, die interne Abl\u00e4ufe verschlanken und rationalisieren.<\/p>\n<p>Um Stra\u00dfen- und Tiefbauer bei diesen Effizienzsteigerungen zu unterst\u00fctzen, arbeiten die Programmierer meines Softwarehauses isl-kocher derzeit an einer Anbindung des Kanalmoduls des isl-baustellenmanager an die Internetplattform \u201eschacht24.de\u201c. Hierbei handelt es sich um einen Online-Konfigurator f\u00fcr Sch\u00e4chte, der den Nutzern die M\u00f6glichkeit gibt, ihren gew\u00fcnschten Schacht individuell zu planen, die Bestellung in wenigen Schritten online zu erzeugen und zu kaufen.<\/p>\n<p>Ziel der geplanten Kanalmodul-Anbindung ist es, dass Kunden von isl-kocher zuk\u00fcnftig per Knopfdruck die Liste der Bauteile pro Schacht erhalten, inklusive der Preise f\u00fcr ihre Kalkulation.<\/p>\n<p>In frei definierbaren Zeitabschnitten &#8211; die in den meisten F\u00e4llen den Bauabschnitten entsprechen &#8211; k\u00f6nnen die ben\u00f6tigten Bauteile online und ohne Mehraufwand bestellt werden. Die Daten werden hierbei zu \u201eschacht24.de\u201c \u00fcbertragen und die Abrechnung erfolgt dann bequem \u00fcber den Schacht24-Baustoffhandelspartner.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-370\" src=\"https:\/\/bim-tiefbau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/schacht24Prozess.jpg\" alt=\"\" width=\"1158\" height=\"452\" srcset=\"https:\/\/bim-tiefbau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/schacht24Prozess.jpg 1158w, https:\/\/bim-tiefbau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/schacht24Prozess-300x117.jpg 300w, https:\/\/bim-tiefbau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/schacht24Prozess-768x300.jpg 768w, https:\/\/bim-tiefbau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/schacht24Prozess-1024x400.jpg 1024w, https:\/\/bim-tiefbau.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/schacht24Prozess-604x236.jpg 604w\" sizes=\"(max-width: 1158px) 100vw, 1158px\" \/><\/p>\n<p>Der Nutzen solcher digitaler Prozessketten liegt auf der Hand: Kein Aufwand mehr f\u00fcr manuelle Datenaufbereitung, Fehlerquellen werden minimiert und Nutzer erhalten eine sofortige R\u00fcckmeldung ohne \u201ePostweg\u201c. W\u00e4hrend gute elektronische Kanalsysteme die Zeichnungen f\u00fcr die Schachtunterteile mit den abgehenden Rohren &#8211; sogenannte Schachtuhren &#8211; automatisiert aus dem Modell erzeugen, werden heute vielfach noch Bestellformulare von Hand ausgef\u00fcllt und mit Skizzen erg\u00e4nzt. Das Optimierungspotential ist hoch.<\/p>\n<p><strong>Daten-Schnittstellen sind wichtig<\/strong><\/p>\n<p>Die meiner Meinung nach wichtigste Daten-Schnittstelle im Stra\u00dfen- und Tiefbau ist jedoch die zur \u00dcbergabe der Mengen zwischen modellbasiertem System und dem eigentlichen Abrechnungssystem (AVA oder ERP-System), in dem fr\u00fcher von Hand abgerechnet wurde. F\u00fcr den Datenaustausch werden heute, soweit solche Systeme nicht ins grafische System integriert sind, Schnittstellenformate wie die Datenart 11 aus der REB 23.003 oder die GAEB X31 verwendet. Diese Formate wurden urspr\u00fcnglich f\u00fcr den externen Datenaustausch von Abrechnern zu Pr\u00fcfern konzipiert und haben klar auffallende Defizite. Vor allem dann, wenn man diese im Stra\u00dfen- und Tiefbau anwendet. Denn beide Formate unterst\u00fctzen in den Rechenformeln nur Werte mit 7 Zeichen plus Komma, das ist f\u00fcr die Gauss-Kr\u00fcger- oder UTM-Koordinaten sowie die gr\u00f6\u00dferen L\u00e4ngema\u00dfe im Stra\u00dfen- und Tiefbau zu kurz.<\/p>\n<p>Jedoch: GAEB X31 ist derzeit mein Favorit, weil unter anderem lange Ordnungszahlen m\u00f6glich sind. Der Standardleistungskatalog ist zwar begrenzt auf neun Stellen, aber nicht jeder Ausschreibende im Stra\u00dfen- und Tiefbau h\u00e4lt sich an diese Strukturen. Zus\u00e4tzlich unterst\u00fctzt X31 \u00fcber die Datenart 11 hinaus mit der neusten Erweiterung vom Bundesverband Bausoftware (BVBS) auch lange Kommentare bis 56 statt neun Zeichen. Zudem k\u00f6nnen Mengen einzelnen Kostentr\u00e4gern zugewiesen werden, was insbesondere bei Baustellen mit Kommunen als Bauherren wichtig ist. Leider sind aber auch bei dem Format X31 die Rechenwerte aus schwer nachvollziehbaren Gr\u00fcnden auf sieben Stellen begrenzt. Einzig die Kompatibilit\u00e4t zu REB DA11 rechtfertigt diese Einschr\u00e4nkung. Die sieben Stellen sind ein Relikt aus der EDV-Steinzeit, die Datenart 11 war im Geburtsjahr 1979 ein Lochkartenformat und hat sich in der Anzahl der Zeichen (80 pro Zeile) auch in der Version 2009 nicht ge\u00e4ndert. Und das, obwohl es daf\u00fcr aus meiner Sicht keinen nachvollziehbaren Grund gibt, au\u00dfer m\u00f6glichst wenig an den Schnittstellen \u00e4ndern zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Neutrale offene Schnittstellen sind w\u00fcnschenswert<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Au\u00dfenstehende nicht nachvollziehbar ist weiterhin die Tatsache, dass sich REB und GAEB bei den Mengennachweisen einen Wettbewerb liefern und die Bundesrepublik Deutschland nicht auf einen einheitlichen Standard setzt, der die Belange von Hoch- sowie Stra\u00dfen- und Tiefbau gleicherma\u00dfen ber\u00fccksichtigt. Beide Formate haben insbesondere den gro\u00dfen Nachteil, dass bei der Daten\u00fcbergabe leider der Bezug zum Bauteil im BIM\u2013Modell verloren geht. Lediglich der Name des Bauteils kann im Kommentartext \u00fcbergeben werden und so einen Hinweis f\u00fcr den Pr\u00fcfer geben. Ein automatischer Abgleich ist bei bereits \u00fcbergebenen Mengenans\u00e4tzen nach \u00c4nderungen am Modell jedoch nur mit unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hohem Aufwand m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass f\u00fcr den k\u00fcnftig immer wichtiger werdenden Datenaustausch zwischen modellbasierten Systemen und klassischen AVA- oder ERP-Systemen eine neutrale, offene Schnittstelle geschaffen werden muss. Nach heutigem Stand w\u00fcrde es sich aus meiner Sicht anbieten, die X31 entsprechend weiterzuentwickeln. Da die Formeln in der X31 denen aus der REB entsprechen, w\u00e4re es f\u00fcr AVA-Systeme leicht m\u00f6glich, die aus dem Modell per X31 \u00fcbernommen Mengen als REB-Datenart 11 wieder zu exportieren.<\/p>\n<p>Und so gelingt auch eine Einordnung der oben geschilderten Anbindung bei der Bestellung von Schachtbauteilen. So erfreulich die neue Funktion f\u00fcr die Kunden meines Unternehmens isl-kocher ist, aus Sicht der gesamte Marktentwicklung ist es lediglich eine \u00dcbergangsl\u00f6sung. Denn wenn jedes Bausoftwarehaus am Markt individuelle Anpassungen an jedes Betonfertigteilwerk in Deutschland programmieren w\u00fcrde, w\u00e4re die \u201ebabylonische Sprachverwirrung\u201c komplett und der volkswirtschaftliche Schaden gro\u00df. Auch f\u00fcr Prozesse wie Preisanfrage und Bestellung gibt es GAEB-Formate, die aber das Arbeiten mit Modellen bisher noch nicht unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>Mein Fazit<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr moderne Baufirmen bringt das Arbeiten mit Modellen im Stra\u00dfen- und Tiefbau schon heute einen gro\u00dfen Nutzen bei der Optimierung ihrer internen Prozesse. Um fl\u00e4chendeckend alle internen und externen Prozessketten in Kalkulation, Arbeitsvorbereitung und Abrechnung optimal zu digitalisieren muss allerdings von den zust\u00e4ndigen Gremien noch viel Arbeit geleistet werden. Ziel muss es dabei sein, \u00fcberfl\u00fcssige und vor allem veraltete Austauschformate abzuschaffen und die \u00fcbrig gebliebenen Formate an das modellbasierte Arbeiten anzupassen. Der alleinige Focus auf IFC f\u00fcr den Austausch von Modellen greift meiner Meinung nach zu kurz.<\/p>\n<p>Frank Kocher<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nutzung von BIM im Stra\u00dfen\u2013 und Tiefbau unterscheidet sich heute gegen\u00fcber der Anwendung von BIM im Hochbau dadurch, dass moderne Bauunternehmen Modelle aus zugelieferten 2D-Pl\u00e4nen entwickeln, um sie f\u00fcr ihre innerbetriebliche Kalkulation, Arbeitsvorbereitung und Abrechnung zu nutzen. Dass Planer bereits 3D-Modelle erstellen und an Auftragnehmer \u2013 sprich an Stra\u00dfen- und Tiefbauunternehmen &#8211; \u00fcbergeben, ist nur in wenigen BIM-Pilotprojekten angedacht. 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