{"id":1519,"date":"2026-03-16T07:34:22","date_gmt":"2026-03-16T06:34:22","guid":{"rendered":"https:\/\/bim-tiefbau.de\/category\/startseite\/?p=1519"},"modified":"2026-03-21T06:17:39","modified_gmt":"2026-03-21T05:17:39","slug":"analyse-des-pflichten-und-lastenheftes-der-fgsv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bim-tiefbau.de\/category\/startseite\/analyse-des-pflichten-und-lastenheftes-der-fgsv\/","title":{"rendered":"Analyse des Pflichten- und Lastenheftes der FGSV"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Forschungsgesellschaft f\u00fcr Stra\u00dfen- und Verkehrswesen (FGSV) mit Sitz in K\u00f6ln hat im November 2025 das Dokument \u201eStandardisiertes BIM-Parametrisierungssystem im Bundesfernstra\u00dfenbau, Pflichten- und Lastenheft, Version 1.1\u201c ver\u00f6ffentlicht. Die Ausarbeitung soll eine einheitliche Grundlage schaffen f\u00fcr die modellbasierte Kostenermittlung, die Erstellung von Ausschreibungen sowie f\u00fcr die Abrechnung von Bauleistungen und somit eine Vorgabe sein f\u00fcr die BIM-Anwendungsf\u00e4lle 100, 110 und 160.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bewerte es sehr positiv, dass \u00fcberhaupt ein solcher Rahmen f\u00fcr die Anwendung von BIM im Stra\u00dfenbau geschaffen wurde \u2013 denn ohne Standardisierung kann BIM keine Steigerung der Effizienz bewirken. Gut finde ich zudem, dass das sogenannte Parametrisierungssystem ausschlie\u00dflich auf dem offenen Standard IFC aufbaut und herstellerneutral gestaltet ist. Dar\u00fcber hinaus konkretisiert das Dokument auch Punkte, die mir Anfang 2025 in der <em>BIM-Modellierungsrichtlinie der<\/em><em><a href=\"https:\/\/www.google.com\/search?client=firefox-b-d&amp;hs=BQUp&amp;sca_esv=ad51375bc05ed99f&amp;sxsrf=ANbL-n74oSM49-stINPYK7JGJ3MjOEMegw:1773065514097&amp;q=DEGES+Deutsche+Einheit+Fernstra%C3%9Fenplanungs-+und+-bau+GmbH&amp;si=AL3DRZELanY_V96Y0q8q1FLKlfOvH_NlT58VxGyuYFaMYKzFM96E89IA-aG3hsjyKj383ld2JLYltpA9n5vF239bEtjgaAF9Z2mHDG9LkpK6tJ4eh_HiILF0jJp5i_SYuG_EmnMq8REmR7A_2mgN4GK_E3HypAkbqlwVpIBKiYcpyA56E1SLT_U%3D&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwikl4bh_5KTAxV7A9sEHYNhAX8Q_coHegQIJhAB\"> Deutsche Einheit Fernstra\u00dfenplanungs- und -bau GmbH<\/a> <\/em><em>(DEGES)<\/em> als unscharf aufgefallen waren.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem jetzigen Pflichten- und Lastenheft werden folgende Aspekte geregelt:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Attribuierung der Bauteile<\/li><li>Anforderung an die Geometrie<\/li><li>Allgemeine Anforderungen wie Angaben zum Koordinatensystem<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h4>1) Attribuierung der Bauteile<\/h4>\n\n\n\n<p>Der Abschnitt Attribuierung der Bauteile ist sehr umfangreich und besch\u00e4ftigt sich ausgiebig mit den von mir ungeliebten Property-Sets (Sammlung von Eigenschaften) von IFC. Einerseits ist die korrekte \u00dcbergabe von Eigenschaften eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr das Funktionieren von BIM, aber anders als zum Beispiel beim deutschen ISYBAU im Kanal sind die Properties in IFC optional und frei definierbar. Um so wichtiger ist es, diese Eigenschaften \u00fcber den IFC-Standard hinaus und angepasst an die speziellen Bed\u00fcrfnisse des Anwendungsfalls festzulegen. Das ist hier geschehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Namen der Attribute sowie deren m\u00f6glichen Inhalte sind eindeutig in PSD (PropertySetDefinition)-Dateien abgelegt. Diese sollen zeitnah zum Download beim FGSV-Verlag bereit stehen. Alle Bausoftware-Anbieter sind dann in der Lage, die darin enthaltenen Daten in ihren Systemen anwenderfreundlich zu verwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Was mir allerdings bei den als Tabelle aufgef\u00fchrten Beispielen auff\u00e4llt: die Art der Ausf\u00fchrung ist sehr kleinteilig und detailliert beschrieben. Grunds\u00e4tzlich hat der Bauherr und sein Planer das Recht, bestimmte Qualit\u00e4ten zu fordern. Aber in welcher Art diese vom Bauausf\u00fchrenden erf\u00fcllt werden, muss aus meiner Sicht offen bleiben. Nicht ohne Grund gibt es in der Praxis Nebenangebote. Ich selbst war \u00fcber zehn Jahre Planer im Tief- und Stra\u00dfenbau und wei\u00df daher, dass Baufirmen &#8211; auch im Hinblick auf ihren Maschinenpark und erprobten Techniken &#8211; bez\u00fcglich der konkreten Umsetzung das letzte Wort haben m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher erscheint es mir bei manchen der geforderten Eigenschaften nicht ausreichend sinnvoll, dass diese vom Planer gefordert werden k\u00f6nnen. Der Aspekt, dass bestimmte Informationen von der Baufirma im as-built-Modell nachgetragen werden, fehlt aus meiner Sicht vollst\u00e4ndig im vorliegenden Dokument.<\/p>\n\n\n\n<h4><em><strong>2<\/strong><\/em>) Anforderung an die Geometrie<\/h4>\n\n\n\n<p>\u00dcber die BIM-Modellierungsrichtlinie der DEGES hinaus werden im Pflichten- und Lastenheft in tabellarischer Form die zu verwendenden IFC-Entities (auch IFC-Objekte genannt) festgeschrieben. Das ist ein guter und wichtiger Aspekt zur einheitlichen Handhabung und Standardisierung. Unklar bleibt, ob der Geometrietyp \u201eSolid\u201c bewusst so allgemein gehalten wird. Ein Solid kann verschiedenartig definiert werden, beispielsweise \u00fcber Begrenzungsfl\u00e4chen (Brep), als CSG-Representation (Verschneidung geometrischer Grundk\u00f6rper) oder Sweeping Representation (Extrusion mittels Polygon entlang einer Linie). Ich gehe davon aus, dass f\u00fcr die genannten Anwendungsf\u00e4lle die \u00dcbergabe als geschlossene, statische K\u00f6rper, bestehend aus Punkten und Dreiecken, ausreichend ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur K\u00f6rper des Kanal- und Leitungsbaus, zu denen es bislang keine IFC-Entities gibt, d\u00fcrfen weiterhin als Proxy-Elemente (Platzhalter) \u00fcbergeben werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gar nicht anfreunden kann ich mich hingegen mit der Forderung im Pflichten- und Lastenheft, den Trassenk\u00f6rper in kurze, beispielsweise f\u00fcnf Meter lange K\u00f6rper zu unterteilen, die dann sp\u00e4ter bei Abschlagsrechnungen als fertig markiert und ausgez\u00e4hlt werden. Das Verfahren hat aus meiner Sicht folgende Nachteile:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Da jeder Teilk\u00f6rper alle Eigenschaften vom durchgehenden Trassenk\u00f6rper erbt und weitere Eigenschaften besitzt wie \u201evon Station\u201c \/ \u201ebis Station\u201c wird das Datenvolumen erheblich aufgebl\u00e4ht.<\/li><li>Der Planer legt letztlich fest, in welchen Abschnitten und damit wie kleinteilig abgerechnet wird. \u00c4ndert sich die Bauweise vor Ort, beispielsweise nur halbseitige Bauweise statt volle Fahrbahnbreite, passen die Teilk\u00f6rper nicht zur Realit\u00e4t.<\/li><li>F\u00fcr andere Prozesse, wie zum Beispiel die Bereitstellung von Daten f\u00fcr die Maschinensteuerung, sind diese \u201eKl\u00f6tzchen\u201c recht ungeeignet.<\/li><li>Und \u2013 ich stelle mir eine Pr\u00fcfung \u00fcber mehrere Abrechnungszeitr\u00e4ume sehr un\u00fcbersichtlich vor.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Hierzu eine Anmerkung mit dem Verweis auf die Bausoftware von isl-kocher: Die Dynamischen Modellmengen des isl-baustellenmanagers geben die M\u00f6glichkeit, jedes langgestreckte Objekt exakt so \u201eauszustanzen\u201c, wie es zum Zeitpunkt der Erstellung einer Abschlagsrechnung war. Diese Arbeitsweise vermeidet alle oben genannten Nachteile.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Vermutung ist, dass sich die Festschreibungen im FGSV-Dokument leider an den M\u00f6glichkeiten von BIM-Software, die urspr\u00fcnglich f\u00fcr den Hochbau entwickelt wurde, orientiert<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin auch immer wieder erstaunt, wie sicher sich die Bauherrenseite (offensichtlich) ist, dass genauso gebaut und abgerechnet wird, wie geplant. Das mag beispielsweise f\u00fcr einen Br\u00fccken\u00fcberbau so sein, aber schon bei den Widerlagern k\u00f6nnen \u00dcberraschungen bei der Gr\u00fcndung zu \u00c4nderungen f\u00fchren. Auch bei Leitungen wie einer Regenentw\u00e4sserung werden, insbesondere beim Bauen im Bestand, \u00c4nderungen vor Ort erzwungen.Aus meiner Sicht muss in Fachkreisen viel mehr \u00fcber den Workflow bei notwendigen \u00c4nderungen der Geometrie gesprochen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Klar ist aber auch: Das as-built-Modell kann nicht automatisch das Abrechnungsmodell sein. Denn wenn der Bauausf\u00fchrende etwas gebaut hat, was gar nicht bestellt und nicht notwendig war, kann er das auch nicht abrechnen. Unabdingbare \u00c4nderungen hingegen, die mit der Bauaufsicht abgestimmt sind, m\u00fcssen zwingend ins Abrechnungsmodell einflie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>3) Allgemeine Anforderungen wie Angaben zum Koordinatensystem<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sehr zu begr\u00fc\u00dfen sind die Forderungen im Pflichten- und Lastenheft, dass alle Teilmodelle im selben Koordinatensystem zu \u00fcbergeben sind und dass die Informationen dazu als IfcProjectedCrs mit Angabe des EPSG-Codes in der IFC-Datei angegeben werden m\u00fcssen. Sollten Teile, wie zum Beispiel Br\u00fccken, in einem anderen Koordinatensystem vorliegen, so sind bei deren IFC-Daten die Verdrehung und Verschiebung des Teilmodells als IfcMapConversion zu hinterlegen. Das ist ein sehr guter Beitrag zu Standardisierung. Denn Irritationen wie fr\u00fcher bei nicht zusammen passenden Teilmodellen oder das notwendige \u201eKaffeesatzlesen\u201c zur Bestimmung des verwendeten Koordinatensystems geh\u00f6ren damit der Vergangenheit an.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mein <\/strong><strong>Fazit:<\/strong> Bis auf Forderung nach kleinteiligen Trassenk\u00f6rpern, die sich an der M\u00f6glichkeit vorhandener (Hochbau-)Software orientiert, statt in die Zukunft zu schauen, halte ich das Dokument \u201eStandardisiertes BIM-Parametrisierungssystem im Bundesfernstra\u00dfenbau, Pflichten- und Lastenheft, Version 1.1\u201c f\u00fcr sehr gelungen. Es ist somit eine gute Arbeitshilfe bei BIM-Projekten im Stra\u00dfenbau.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Forschungsgesellschaft f\u00fcr Stra\u00dfen- und Verkehrswesen (FGSV) mit Sitz in K\u00f6ln hat im November 2025 das Dokument \u201eStandardisiertes BIM-Parametrisierungssystem im Bundesfernstra\u00dfenbau, Pflichten- und Lastenheft, Version 1.1\u201c ver\u00f6ffentlicht. Die Ausarbeitung soll eine einheitliche Grundlage schaffen f\u00fcr die modellbasierte Kostenermittlung, die Erstellung von Ausschreibungen sowie f\u00fcr die Abrechnung von Bauleistungen und somit eine Vorgabe sein f\u00fcr die BIM-Anwendungsf\u00e4lle 100, 110 und 160. 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