{"id":1500,"date":"2025-12-23T17:39:25","date_gmt":"2025-12-23T16:39:25","guid":{"rendered":"https:\/\/bim-tiefbau.de\/category\/startseite\/?p=1500"},"modified":"2025-12-24T08:01:31","modified_gmt":"2025-12-24T07:01:31","slug":"ist-bim-tot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bim-tiefbau.de\/category\/startseite\/ist-bim-tot\/","title":{"rendered":"Ist BIM tot?"},"content":{"rendered":"\n<p>Auch wenn der Hype um BIM abgeflaut ist und manche h\u00e4misch sagen, \u201eBIM ist tot\u201c, halte ich die Idee des modellbasierten Arbeitens im Bauwesen weiterhin generell f\u00fcr richtig. Es gibt jedoch eine Reihe von Gr\u00fcnden, warum BIM nicht so recht ans Laufen kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das sogenannte big BIM kann nur entstehen, wenn bereits der Auftraggeber BIM will und entsprechend planen l\u00e4sst. Sehr oft werden dabei jedoch die Belange der Bauausf\u00fchrung vergessen und der Auftragnehmer sieht somit das Modell nur als B\u00fcrde, welches er pflegen und als as-built-Modell abgeben muss. Einen eigenen Nutzen von BIM hat er jedoch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Tatsache, dass die am BIM-Prozess Beteiligen die Bed\u00fcrfnisse und Arbeitsweisen der jeweils Anderen oft nicht kennen oder nicht verstehen, entstehen Schwierigkeiten durch die weiterhin \u00fcbliche Verwendung von IFC-Dateien beim Datenaustausch. IFC steht f\u00fcr \u201aIndustry Foundation Classes\u2018. Das Besondere an dem Format ist, dass es spezielle Typen von Objekten f\u00fcr die verschiedenen Gewerke bietet. Eine Wand hat nat\u00fcrlich andere geometrische Eigenschaften als eine Treppe oder eine Fahrbahndecke. Diese Unterscheidung in Bauteiltypen ist an sich eine gute Idee -die gro\u00dfe Variabilit\u00e4t das Formates ist aber auch das Problem.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Variabilit\u00e4t von IFC-Dateien als Segen und Fluch<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Folgenden gehe ich auf die Variabilit\u00e4t von IFC ein, die aus drei Punkten besteht:<br>IFC bietet die Freiheit,<\/p>\n\n\n\n<ul><li>den Bauteilen beliebige weitere Informationen (Eigenschaften) mitzugeben<\/li><li>den Bauteilen verschiedene Auspr\u00e4gungen an Geometrie mitzugeben oder diese gar weg zu lassen<\/li><li>die notwendigen Beziehungen zwischen Bauteilen zu verschweigen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Der Container f\u00fcr die Eigenschaften<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jedes Bauteil kann ein eigenes PropertySet besitzen. Das IfcPropertySet ist ein standardisierter Container innerhalb des IFC-Formats, um zus\u00e4tzliche spezifische Informationen zu Bauteilen in einem BIM-Modell zu b\u00fcndeln und zu organisieren. Ein PropertySet enth\u00e4lt eine Liste von Properties. Ein Property besteht immer aus den Paar \u201aName\/Wert\u2018, zum Beispiel \u201eWandst\u00e4rke\u201c=0.24.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf IFC-Dateien basierende weiterf\u00fchrende Prozesse sind oft nur m\u00f6glich, wenn sich der Anwender zum Beispiel daf\u00fcr entscheidet, welche Eigenschaften aus dem IfcPropertySet die richtigen f\u00fcr den weiteren Prozess sind. Daher ist f\u00fcr Prozessketten, in denen eine Maschinenlesbarkeit wichtig ist, eine IFC-Datei alleine nicht geeignet. Denn es muss gepr\u00fcft werden, ob die ben\u00f6tigten Eigenschaften \u00fcberhaupt vorhanden sind und ob korrekte Werte darin stehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Digitalisierung nur mit Standardisierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um Prozessketten zu erm\u00f6glichen, gibt es zus\u00e4tzlich die Information Delivery Specification (IDS), in der definiert werden kann, welche Properties (Eigenschaften) zwingend vorgeschrieben sind und wie der Name des jeweiligen Properties lautet. So etwas kann man theoretisch auch im BIM-Abwicklungsplan (BAP) des jeweiligen Projektes festlegen. Aber aus meiner Sicht ist es ein sehr hoher Aufwand, \u201edas Rad in jedem Projekt neu zu erfinden\u201c. Klar ist: Digitalisierung funktioniert nur mit Standardisierung. Es gibt jedoch leider bislang nur wenige IDS f\u00fcr bestimmte Anwendungsf\u00e4lle. Ausnahmen sind die IDS f\u00fcr die Mengenermittlung im Hochbau zum Zweck der Kostenermittlung sowie Ermittlung der Mengen f\u00fcr die Ausschreibung. Weitere Infos dazu unter folgender Internetadresse: <a href=\"https:\/\/ucm.buildingsmart.org\/de\/use-cases\/3449\/de\">https:\/\/ucm.buildingsmart.org\/de\/use-cases\/3449\/de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der Anwendungsfall Mengenermittlung zur Abrechnung ist im oben beschriebenen standardisierten IDS hingegen ausgeschlossen und sollte gesondert definiert werden. Zudem muss in anderen Gewerken als im Hochbau die Mengenermittlung in weiteren zus\u00e4tzlichen IDS beschrieben werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herausforderung Geometrie der Bauteile<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Neben den oft zweideutigen Properties kann auch die Geometrie der Bauteile in Bauprojekten sehr unterschiedlich beschrieben werden. Theoretisch gesehen ist die geometrische Beschreibung sogar optional.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Hochbau beispielsweise besteht eine Wand entweder statisch aus 3D-Punkten und Dreiecken oder parametrisiert aus einem Grundrisspolygon und der H\u00f6he. Seit Einf\u00fchrung des Formates IFC 4&#215;3 kann im Stra\u00dfenbau die Deckschicht einer Fahrbahn \u00fcber Achse, Gradiente und Querprofile, als statischer Volumenk\u00f6rper aus 3D-Punkten und Dreiecken, \u00fcber Leitlinien, die die R\u00e4nder beschreiben oder als Fl\u00e4chenobjekt beschrieben werden. Und das je nach Anwendungsfall. Das Chaos ist vorhersehbar. Dar\u00fcber hinaus ist es zul\u00e4ssig, in einer IFC-Datei gleich mehrere geometrische Repr\u00e4sentationen zu \u00fcbergeben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fehlende Verkn\u00fcpfung der Objekte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Gewerk Tiefbau sind auch Verkn\u00fcpfungen von Objekten wichtig. So ist ein Kanalnetz mathematisch ein Graph (Knoten-Kanten-Modell). Das bedeutet: Eine Rohrleitung ist immer verkn\u00fcpft mit zwei Sch\u00e4chten. Ein Schacht am Anfang, der andere am Ende. Mit IFC lassen sich ebenfalls Verkn\u00fcpfungen darstellen (IfcRelationship), aber auch das ist optional. F\u00fcr die weiteren Prozesse sind diese Verkn\u00fcpfungen aber oft sehr wichtig, in der Regel fehlen sie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>GAEB und ISYBAU als speziellere Austauschformate<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Andere erfolgreiche digitale Austauschformate wie GAEB oder ISYBAU \u2013 welches im Kanalbau genutzt wird &#8211; bringen als modernere XML-Dateien \u00fcber deren Schema engere Korsette gleich von Anfang an mit. Das Schema beschreibt unter anderem, wie die Namen bestimmter Eigenschaften (Properties) lauten und welche Werte sie annehmen d\u00fcrfen. Damit ist eine Maschinenlesbarkeit viel eher gegeben, als wenn diese wie bei IFC v\u00f6llig frei sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei GAEB gibt es f\u00fcr diverse Anwendungsf\u00e4lle die Formate X80 bis X89. ISYBAU unterscheidet zwischen F\u00e4llen wie Stammdaten\u00fcbergabe, Hydraulik und Sanierung. Das einlesende System kann am jeweiligen Dateiformat erkennen, welche Datens\u00e4tze zu erwarten sind und sie automatisiert weiterverarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nutzung von IFC im Bauprozess<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine IFC-Datei ohne IDS ist meiner Meinung nach im schlechtesten Fall ein besseres 3D-PDF. Sch\u00f6n anzuschauen und der Anwender kann die Eigenschaften betrachten. Aber eine Automatisierung weitergehender Prozesse ist kaum m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Gl\u00fcck ist IFC ohnehin nicht das bevorzugte Eingangsformat f\u00fcr den Bauprozess im Stra\u00dfen- und Tiefbau. F\u00fcr die Beschreibung von Horizonten, Linien, Punkten und anderen Objekten ist LandXML das anerkannte Format. Es gibt sogar eine ISO-Norm, die den Datenaustausch beschreibt: ISO\/TS 15143 &#8211; <em>earth-moving machinery and mobile road construction machinery &#8211; worksite data exchange<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Planer von kommunalen Bauprojekten liefern aktuell weder IFC, noch LandXML. In der neuen Modellierungsrichtlinie der D<strong>eutsche Einheit Fernstra\u00dfenplanungs- und -bau GmbH<\/strong> (DEGES) ist dagegen erfreulicherweise festgehalten, dass Planer neben einem 3D-Modell als IFC auch weitere Daten, zum Beispiel im Format LandXML, liefern sollen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>IFC bleibt im Stra\u00dfenbau derzeit eher ein Zusatz zur Visualisierung und Mengenermittlung. F\u00fcr andere Prozesse ist das Format eher nicht geeignet.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders gesagt: BIM ist nicht tot, aber man muss sich von der Vorstellung verabschieden, dass ein Datenaustausch in Form von IFC-Dateien die globale L\u00f6sung f\u00fcr die Digitalisierung ist. Die Definition von IDS f\u00fcr weitere Anwendungsf\u00e4lle ist dringend geboten, denn f\u00fcr manche Anwendungsf\u00e4lle ist IFC alleine schlicht ungeeignet.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu diesen anderen Anwendungsf\u00e4llen folgen bald weitere Fachbeitr\u00e4ge.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn der Hype um BIM abgeflaut ist und manche h\u00e4misch sagen, \u201eBIM ist tot\u201c, halte ich die Idee des modellbasierten Arbeitens im Bauwesen weiterhin generell f\u00fcr richtig. Es gibt jedoch eine Reihe von Gr\u00fcnden, warum BIM nicht so recht ans Laufen kommt. Das sogenannte big BIM kann nur entstehen, wenn bereits der Auftraggeber BIM will und entsprechend planen l\u00e4sst. 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