{"id":1311,"date":"2021-11-14T16:51:45","date_gmt":"2021-11-14T15:51:45","guid":{"rendered":"https:\/\/bim-tiefbau.de\/category\/startseite\/?p=1311"},"modified":"2021-12-30T08:13:18","modified_gmt":"2021-12-30T07:13:18","slug":"kann-man-der-modellbasierten-abrechnung-trauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bim-tiefbau.de\/category\/startseite\/kann-man-der-modellbasierten-abrechnung-trauen\/","title":{"rendered":"Kann man der modellbasierten Abrechnung trauen?"},"content":{"rendered":"\n<p>Baufachleute \u00e4u\u00dfern immer wieder Zweifel, ob eine modellbasierte Bauabrechnung funktionieren kann und ob man ihr Vertrauen schenken sollte. Im Gegensatz dazu ist die \u201eklassische Bauabrechnung\u201c gewohnt und etabliert. Sie wird akzeptiert \u2013 die modellbasierte Abrechnung als Neuerung jedoch erst einmal kritisch hinterfragt. Wenn man Gr\u00fcnde finden m\u00f6chte, warum dieses Meinungsbild aktuell vorherrscht, muss man sich mit der Vergangenheit der Bauabrechnung besch\u00e4ftigen und dabei auch die Frage nach ihrem Sinn stellen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Blick in die Historie der Bauabrechnung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als ich Mitte der 1980er Jahre in das Berufsleben einstieg, gab es in den B\u00fcros der Baufirmen bereits die ersten Personalcomputer mit Laufwerken f\u00fcr 5 \u00bc Zoll Disketten. Es gab auch schon Programme f\u00fcr die Abrechnung nach Querprofilen und Prismen im Bauwesen. Aber insbesondere Oberfl\u00e4chen im Stra\u00dfenbau wurden wie eh und je mit dem Laufrad und Bandma\u00df aufgemessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine grafische Mengenermittlung aus Pl\u00e4nen, wie sie mittlerweile mit Hilfe der CAD-Technik m\u00f6glich ist \u2013 und von Auftraggebern wie der Deutschen Bahn auch gefordert und allgemein akzeptiert wird \u2013 gab es zu dieser Zeit nicht. Bestenfalls konnten in den von Hand gezeichneten Pl\u00e4nen die Fl\u00e4chengr\u00f6\u00dfen mit dem Planimeter ungef\u00e4hr ermittelt werden. Dieses \u00fcberschl\u00e4gige Vorgehen war nur f\u00fcr die Mengenermittlung bei der Ausschreibung ausreichend. F\u00fcr die Abrechnung war das Verfahren zu ungenau.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Aufma\u00dfe auf den Baustellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Erinnern wir uns: Die Messungen auf den Baustellen wurden fr\u00fcher als Handskizzen auf Aufma\u00dfbl\u00f6cke \u00fcbertragen und als gemeinsames Aufma\u00df von Auftraggeber und Auftragnehmer direkt vor Ort unterschrieben. Jeder Beteiligte bekam eine Ausfertigung bzw. einen Durchschlag und im B\u00fcro der Baufirma wurden dann die Ma\u00dfe in die Bauabrechnung eingetippt. Soweit die Theorie.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Praxis funktionierte dieses Prozedere jedoch nicht. Bei regnerischem Wetter durchweichte der Aufma\u00dfblock und machte ein Schreiben unm\u00f6glich. Mit Bandma\u00df und Rollrad in der Hand konnten keine ordentlichen Skizzen gemacht werden. Was war das Ergebnis? Oft wurde vor Ort auf Schmierbl\u00e4tter gezeichnet, die der Bauleiter der ausf\u00fchrenden Firma mit ins B\u00fcro nahm. Die Inhalte wurden fachgerecht in neue Aufma\u00dfbl\u00e4tter eingezeichnet, die dann im Nachgang als vermeintlich gemeinsames Aufma\u00df auf der Baustelle beidseitig unterschrieben wurden. Mir pers\u00f6nlich war nie ganz wohl bei dieser Arbeitsweise. Denn bei der Exaktheit der Skizzen auf den neuen Aufma\u00dfbl\u00e4ttern war eigentlich klar, dass das Ganze nicht im Regen auf der Baustelle entstanden sein konnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fehlerquellen? Massenhaft!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Beim Lesen dieser Beschreibung wird klar: Bei diesen Aufma\u00dfen bestand ein riesiges Potential an Fehlerquellen. Bereits die Aufteilung der Fahrbahn in Kurven und Einm\u00fcndungen als Teilfl\u00e4chen aus Rechtecken, Dreiecken und Kreisbogenabschnitten war ungenau. Zudem traten immer wieder Fragen auf wie: Hat man alle Teilfl\u00e4chen ins Aufma\u00df \u00fcbernommen? Oder Fl\u00e4chen vergessen? Oder manche Teile vielleicht doppelt notiert? Da man die Teilfl\u00e4chen auf den verschiedenen Aufma\u00dfbl\u00e4ttern selten in einem gro\u00dfen Zusammenhang sah, war die Vollst\u00e4ndigkeit nur schwer zu beurteilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Fehlerpotential tat sich beim Messen auf. Lag das Bandma\u00df-Ende tats\u00e4chlich auf dem vereinbarten Punkt oder hat es der Bauleiter der Gegenseite eventuell zu seinen Gunsten verschoben? Und: Wurden die Schmierskizzen korrekt \u00fcbertragen und die Zahlen dann fehlerfrei in die REB 23.003 \u00fcbernommen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sage: Eigentlich war es damals v\u00f6llig sinnfrei, die Berechnung der Mengen rechnerisch zu pr\u00fcfen. Denn die Entstehung der Datenbasis war ja schon ein Desaster. Zus\u00e4tzlich sind Fehler und Mogeleien bei dem Verfahren unvermeidbar. Aus dem Aspekt heraus ist es klar, dass die grafische Mengenermittlung auf Basis von Pl\u00e4nen einen Erfolgsgeschichte werden musste \u2013 was mittlerweile unter Baufachleuten auch weitgehend akzeptiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ausgedient: Die klassische Bauabrechnung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der \u201eklassischen Bauabrechnung\u201c sollte man meiner Meinung nach aus oben dargelegten Gr\u00fcnden nicht weiterf\u00fchren. Denn neben der Problematik der massenhaft vorhandenen Fehlerquellen war auch der zeitliche Aufwand bei der st\u00e4ndigen \u00dcbertragung und Pr\u00fcfung der Daten von Medium zu Medium f\u00fcr Auftraggeber als auch f\u00fcr Auftragnehmer sehr hoch.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch gibt es immer noch Kolleginnen und Kollegen in der Baubranche, die dem alten Verfahren der \u201eklassischen Bauabrechnung\u201c vertrauen. Vermutlich weil es immer so war und vielleicht auch, weil man Papier anfassen kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vorteilhaftes Arbeiten mit Modellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenden sich Baufachleute ab von der \u201eklassischen Bauabrechnung\u201c und arbeiten dagegen mit Modellen, fallen die vielen Medienbr\u00fcche weg. Der Aufwand f\u00fcr beide Vertragspartner wird erheblich kleiner, weil die st\u00e4ndigen \u00dcbertragungen der Daten entfallen und beim Einsatz geeigneter Software der Prozess der Mengenermittlung zudem weitergehend automatisiert wird. Einen wichtigen Aspekt m\u00f6chte ich erg\u00e4nzen: Der Aufwand f\u00fcr die Abrechnung kann dramatisch verringert werden, wenn der gesamten Prozess von der Ausschreibung bis zur Abrechnung digital gesteuert und abgewickelt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Nochmals ein Blick zur\u00fcck: Das gemeinsame Aufma\u00df auf der Baustelle war damals notwendig, weil die Beteiligten gar keine M\u00f6glichkeit hatte, genaue Mengen aus Pl\u00e4nen zu ermitteln. Das ist schon heute mit der grafischen Mengenermittlung auf Basis von CAD-Pl\u00e4nen anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Und mit der Einf\u00fchrung von BIM bekommt die Ver\u00e4nderung des Bauprozesses nochmals eine v\u00f6llig neue Dynamik. Denn wenn Planende ein korrektes Modell erstellen, liegen die Mengen f\u00fcr die Abrechnung eigentlich schon zum Zeitpunkt der Ausschreibung vor. Vorausgesetzt, es wird gebaut wie geplant.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Zukunft der Bauabrechner<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieser Aussagen bin ich sicher: Qualifizierte Bauabrechner werden auch k\u00fcnftig nicht \u00fcberfl\u00fcssig. Jedoch wird sich ihre Arbeitsweise \u00e4ndern. Aufgabe wird es nicht mehr sein, die komplette Mengenermittlung zu 100 Prozent nach Fertigstellung neu zu entwickeln. Vielmehr m\u00fcssen Bauabrechner zuk\u00fcnftig im Bauprozess st\u00e4ndig pr\u00fcfen, ob die Soll-Ma\u00dfe eingehalten wurden bzw. es zu Abweichungen kommt. Die Neumessung wird ersetzt durch eine Pr\u00fcfmessung, die f\u00fcr die Qualit\u00e4tskontrolle im Rahmen der Selbst\u00fcberwachung der Baufirmen ohnehin notwendig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wird so gearbeitet, k\u00f6nnen die Ausschreibungsmengen zu Abrechnungsmengen werden. Ist das nicht der Fall, was im Tiefbau (\u201evor der Schippe ist es dunkel\u201c) viel h\u00e4ufiger vorkommt als im Hochbau, m\u00fcssen Bauabrechner das Modell vom Planungs-Modell zum as-built-Modell weiterentwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Rechnungspr\u00fcfung wird mit der Verwendung von Modellen viel einfacher. Vertreter von ausf\u00fchrenden Firmen m\u00fcssen mit der Auftraggeberseite nur noch diskutieren, wo und warum es \u00c4nderungen gab. Gab es keine Anpassungen und wurde nach Plan gebaut, werden einfach die Ausschreibungsmengen in die Abrechnung \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das von Auftraggebern gelegentlich vorgetragene Argument, es sei nicht zu pr\u00fcfen, ob der Auftragnehmer das Modell manipuliert hat, entf\u00e4llt dann, wenn die Ausschreibungsmengen zu Abrechnungsmengen werden und \u00c4nderungen am Modell und deren Gr\u00fcnde offengelegt sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Pr\u00fcfung der Abrechnung vereinfacht sich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im beschriebenen modellhaften Arbeiten gibt es au\u00dferdem viel bessere M\u00f6glichkeiten der Pr\u00fcfung als bei der \u201eklassischen Bauabrechnung\u201c. Mit geeigneter BIM-Software k\u00f6nnen Modelle sehr gut verglichen werden. So lassen sich das Planungs- und das Abrechnungsmodell sowie die m\u00f6glicherweise vorhandenen Differenzen sehr anschaulich in 3D darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Vergleich zwischen Modell und Realit\u00e4t ist deutlich einfacher. Zum Beispiel kann mit einem 3D-Modell auf dem Vermessungscontroller sehr schnell ein Planum auf H\u00f6henfehler gepr\u00fcft werden. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"553\" height=\"367\" src=\"https:\/\/bim-tiefbau.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Hoehenkontrolle-1.png\" alt=\"H\u00f6henkontrolle am Planum\" class=\"wp-image-1318\" srcset=\"https:\/\/bim-tiefbau.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Hoehenkontrolle-1.png 553w, https:\/\/bim-tiefbau.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Hoehenkontrolle-1-300x199.png 300w, https:\/\/bim-tiefbau.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Hoehenkontrolle-1-407x270.png 407w\" sizes=\"(max-width: 553px) 100vw, 553px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Weiterhin lassen sich H\u00f6hendifferenzen von Punkten einer Punktwolke mit den H\u00f6hen aus dem Modell ermitteln. Es ist sogar m\u00f6glich, mit einer Augmented-Reality-Brille das Modell mit der Realit\u00e4t vor Ort zu vergleichen. Ich muss allerdings sagen, dass die Akteure im Bauwesen von dieser w\u00fcnschenswerten Arbeitsweise in der Breite des Marktes noch weit entfernt sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Voraussetzung f\u00fcr modellhaftes Arbeiten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Vision eines durchgehend modellhaften Arbeitens im Bauwesen kann jedoch nur funktionieren, wenn bereits die Planenden korrekte Modelle erstellen und die Mengen zur Ausschreibung sehr exakt ermitteln. Dass dies derzeit leider nicht der Fall ist, liegt nicht an den Planenden. Gr\u00fcnde hierf\u00fcr sind die zu geringen Honorare sowie die nicht zu BIM passende Vergabepraxis.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedoch: Innovative Baufirmen haben sich auf keine Wartesituation eingelassen, sondern andere modellbasierte Arbeitsweisen f\u00fcr sich entdeckt. Dar\u00fcber berichte ich in meinem n\u00e4chsten Blogbeitrag.<\/p>\n\n\n\n<p>Frank Kocher<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Baufachleute \u00e4u\u00dfern immer wieder Zweifel, ob eine modellbasierte Bauabrechnung funktionieren kann und ob man ihr Vertrauen schenken sollte. Im Gegensatz dazu ist die \u201eklassische Bauabrechnung\u201c gewohnt und etabliert. Sie wird akzeptiert \u2013 die modellbasierte Abrechnung als Neuerung jedoch erst einmal kritisch hinterfragt. Wenn man Gr\u00fcnde finden m\u00f6chte, warum dieses Meinungsbild aktuell vorherrscht, muss man sich mit der Vergangenheit der Bauabrechnung besch\u00e4ftigen und dabei auch die Frage nach ihrem Sinn stellen. 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